Akte Bundesliga · Club Dossier

Akte Hertha BSC

Die Mutter aller Skandal-Vereine. Dossier, Match Intelligence und Prediction Markets — alles zu Hertha BSC Berlin.

↗ herthabsc.com Ein Dossier von Closelook
Hertha BSC Berlin
Foto: Imago Images
Teil 1
Die Akte
Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten — das komplette Club-Dossier in 12 Kapiteln.
EditorialSteckbriefLover & HaterMIPsFun Facts
Bald
Teil 2
Intelligence
KI-gestützte Match-Analyse, Teamdaten, Verletzungen und Head-to-Head-Statistiken.
KaderNächstes SpielStatistikenForm
Bald
Teil 3
Predictions
Prediction Markets, Portfolio-Management und Risiko-Analyse mit Kelly Criterion.
KalshiPolymarketPortfolioRisk Tools

Editorial

Warum wir dieses Dossier geschrieben haben

Start weg quasi ein Sonderfall, ein problematischer Fußball-Standort, eine Insel mitten im kalten Krieg. Der Klub, der mit Berliner Wurstigkeit, aber selten mit Augenmaß geführt wurde, war der erste Bundesligist, der nicht aus sportlichen Gründen abstieg. Zuvor hatte man mal wieder unter dem Motto „Det machen die Anderen doch ooch" Geld an die Spieler verteilt, das man nicht hätte verteilen dürfen.

Es passt zur turbulenten Vita der „alten Dame", dass man die Euphorie nach der Überwindung der Teilung Berlins nicht für sich nutzen kann. Wenn man, wie Jahre später, mal Geld hat, wird es mit zwei Händen rausgehauen. Mehr als ein heftiger One-Night-Stand mit Europas Elite ist nicht drin.

Hertha BSC — Ein Verein, dem es keinesfalls an Urban Legends fehlt, der aber am Platzhirsch-Syndrom leidet und der selbst bei Titelgewinn nicht skandalfrei bleibt. Genau diese Verruchtheit und das Spannungsfeld in der ewig pulsierenden Hauptstadt machen aber die Faszination der Blau-Weißen für die Fans aus.

„AKTE HERTHA BSC" richtet sich an Lover und Hater der „Herthaner". Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.

Steckbrief

Daten, Fakten und Ereignisse

Gegründet
1892
25. Juli in Berlin-Gesundbrunnen
Mitglieder
36.900
Einer der großen Sportvereine Berlins
Stadion
Olympiastadion
74.475 Plätze · Berlin-Westend
Deutsche Meister
1930 und 1931

Der Hertha Berliner Sport-Club e.V. — kurz Hertha BSC, auch als „Alte Dame" bekannt — ist ein Sportverein aus Berlin. Der Verein hat heute seinen Sitz im Großbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und ist 1963 Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga.

Am 25. Juli 1892 wird der Berliner Fußball Club Hertha 1892 als einer der ersten reinen Fußballclubs in Deutschland gegründet. Herthas Wurzeln liegen im Bezirk Gesundbrunnen. Berühmt wird die Arena unter dem Spitznamen „Plumpe", eine lokale Bezeichnung für Wasserpumpen.

Berlin-Gesundbrunnen
Sozialbauten in Berlin-Gesundbrunnen. Foto: Imago Images / Jürgen Ritter

Good to Know

Was wenige wissen

Hertha BSC ist ein Verein der Extreme. Skandale, Disqualifikationen und finanzielle Unregelmäßigkeiten gehören quasi zur DNA des Vereins und sind keine „neue" Hertha-Erscheinung, sondern mehr als 100 Jahre alt.

In der Saison 1918/19 zahlt der Verein unerlaubt Handgelder. Nach dem Zweiten Weltkrieg muss Hertha wegen Nähe zu den NS-Machthabern vier Jahre aussetzen. 1965 ist Hertha der erste Klub, dem der DFB die Bundesliga-Lizenz verweigert.

Tasmania 1900 Berlin muss als Ersatz ins „kalte Wasser" — und geht als schlechtester Bundesliga-Klub mit 8:60 Punkten für alle Zeiten in die Geschichtsbücher ein.

Der Titelgewinn 1931 ist ein Skandal: Hertha liegt 1:2 zurück und gewinnt durch zwei eindeutige Abseitstreffer noch 3:2.

Tasmania Berlin
Tasmania Berlin 1965/66. Foto: Imago Images / Horstmüller

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

Heimniederlage
0:6
Vs. Bayern (2012) & HSV (1980)
Debakel
1:14
Vs. Kaiserslautern (1957)
Katastrophe
1990/91
23 Niederlagen, 17 Punkte
Serie
8 Spiele
2009/10, Spieltag 2–9

Die 80er Jahre: Abstieg 1980, Wiederaufstieg, direkt wieder Letzter, dann runter in die Amateur-Oberliga. Heimspiele vor 2.000 Zuschauern im Poststadion.

Die verspielte Meisterschaft 2008/09: Im Frühjahr 2009 träumt Berlin von der Schale. Ein 1:3 gegen den BVB und ein 0:0 gegen Schalke am 33. Spieltag kosten die mögliche Meisterschaft. Ein 0:4 in Karlsruhe kippt Hertha aus den CL-Rängen.

Dyskobolia Grodzisk Wielkopolski: UEFA-Cup 2003, Erstrunden-Aus gegen den polnischen Klub. 0:0 und 0:1. Hertha ist draußen.

Für die Lover

Wichtige Triumphe und große Erfolge

Champions League 1999/00: Siege gegen Chelsea (2:1) und AC Mailand (1:0). Zweite Gruppenphase erreicht.

Vizemeister 1974/75: 91.000 Zuschauer beim Spitzenspiel gegen Gladbach (2:1).

Hertha Amateure 1992/93: Drittligisten im DFB-Pokal-Finale gegen Bayer Leverkusen (0:1).

Torreichste Saison: 123 Tore in der 2. Bundesliga 1980/81. Werner Killmaier erzielt 39.

Hoeneß und Röber
Dieter Hoeneß und Jürgen Röber, 1997. Foto: Imago Images / Garcia

Most Important Persons

Diese Typen prägen den Verein

Jürgen Röber
Der Erfolgstrainer · 1996–2002

Führt Hertha aus dem Schattendasein der 2. Liga zurück auf die internationale Bühne. 1997 Aufstieg, 1999 Champions League. Beim Heimspiel gegen Kaiserslautern 75.000 Zuschauer — Zweitliga-Rekord.

Michael Preetz
Immer noch da · 93 Tore in 227 Spielen

Herthas erfolgreichster Torschütze. 1998/99 Bundesliga-Torschützenkönig mit 23 Treffern. Nach der Spielerkarriere Manager des Vereins.

Erich „Ete" Beer
Der Franke · 1971–1979

Vize-Europameister 1976. 253 Bundesliga-Spiele, 83 Tore. „Hertha wird immer in meinem Herzen sein, ich bin ein Herthaner."

Pál Dárdai
Der Ungar · 286 Bundesliga-Einsätze

Herthas Rekordspieler. 1997 beim Aufstieg dabei, 2011 Karriereende, dann Trainer. Unter Dárdai Europa League 2016 und 2017.

Hanne Sobek
Die Hertha-Ikone · 1900–1989

Erster großer Fußballstar des Klubs. Sechsmal im Meisterschafts-Finale, zweimal Meister. Kurios: schreibt seinen eigenen Namen falsch — eigentlich Sobeck.

Lorenz Horr
Der Pfälzer · 1969–1977

240 Bundesliga-Spiele. Wechselt 1969 für die Rekordsumme von 168.000 Euro nach Berlin. Bekannt für seine „Hinterteil-Verteidigungstaktik".

Klötzer und Beer
Kuno Klötzer und Erich Beer, 23.06.1979. Foto: Imago Images / Kicker/Liedel

Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt

Michael Skibbe
Der Erfolglose · 5 Spiele, 0 Punkte

Dezember 2011 bis Februar 2012. „Es war ein Desaster, der absolute Tiefpunkt meiner Trainerkarriere."

Uwe Rahn
Der Flop · 21 Einsätze, 5 Tore

Kommt 1990 als Hoffnungsträger. Mittelmäßige Leistungen, zahlreiche Verletzungen. Hertha steigt ab, Rahn zieht weiter.

Peter Neururer
Der Schwitzer · 12 Spiele, 2 Punkte

Nach einem 3:7 gegen Bayern gefragt „Haben Sie jemals so hoch verloren?" — „Ja, 1966 gegen meinen Bruder im Tipp-Kick." Beim Abschied: „Wer als Trainer zu Hertha geht, ist geisteskrank, fußballdoof oder völlig pleite."

Tragisch

Diese Personen hatten Pech

Alex Alves — Die brasilianische Diva. Einsamer Tod mit 37. Für sieben Mio. Euro geholt, der teuerste Neuzugang. „Tor des Jahres" 2000 aus 52 Metern. Nie heimisch in Berlin. Stirbt 2012 verarmt in Brasilien.

Helmut „Fiffi" Kronsbein — Unter Mordverdacht. Erfolgreicher Trainer 1966–1974. 1983 fragt die Quick: „Haben Sie ihre Frau ermordet?" Ein spätes Gutachten beweist seine Unschuld.

Helmut Kronsbein
Helmut Kronsbein, Trainer 1966–1974. Foto: Imago Images / Horstmüller

OMG — Oh My God

Das kann doch nicht wahr sein

Erfolgloseste Fußball-Hauptstadt Europas. Rapid Wien hat 32 Meistertitel. Hertha: zwei — vor fast einem Jahrhundert.

Bundesliga-Skandal 1971. Kein Klub nimmt mehr Schmiergeld als Hertha. 240.000 Mark für ein Spiel. 15 Spieler gesperrt.

Nebelspiel gegen Barcelona. November 1999. „Die 2. Halbzeit war das Beste, was wir von Hertha jemals gesehen haben — nämlich nichts."

Lars Windhorst. 125 Mio. Euro für 37,5%. Big City Club — OMG.

Michael Preetz
Michael Preetz. Als Spieler erfolgreich. Als Manager? Geht so. Foto: Imago Images / ExSpo

Fun Facts

Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs

Zuschauerrekord. 85.411 Fans am 21.9.1963 gegen Köln. Inoffiziell 90.000 am 26.9.1969.

Einziges wiederholtes Pokalfinale. 1977 gegen Köln: 1:1 n.V., dann 0:1. Der DFB führt daraufhin Elfmeterschießen ein.

Warum „Hertha"? Benannt 1892 nach einem Dampfer auf der Havel. Schornstein: Blau, Weiß, Gelb.

Hermann Horwitz. Erster Mannschaftsarzt im deutschen Fußball. Jude, 1943 von den Nazis ermordet.

Simonsen vs Kliemann
Allan Simonsen vs. Uwe Kliemann, 1974/75. Foto: Imago Images / Sven Simon

Special Moments

Der „Nearly Man" verzaubert die Deutsche Meisterschaft

Ein BILD-Reporter läuft mit einer Kopie der Meisterschale durchs Brandenburger Tor. Berlin träumt. Trainer Lucien Favre holt am 20. Spieltag die Tabellenführung: 2:1 gegen Bayern, Olympiastadion ausverkauft.

Tabellenführung
Spieltag 20
2:1 gegen FC Bayern
Zuschauerschnitt
50.902
Erstmals seit 10 Jahren über 50.000
Das Ende
0:0 vs. S04
Neuer hält alles
Die Folge
Abstieg
2009/10 Tabellenletzter

Am 33. Spieltag scheitern die Herthaner beim 0:0 gegen Schalke an Manuel Neuer. In den letzten neun Partien nur 14 Punkte. Ein Jahr nach der Tabellenführung: Tabellenletzter.

Frei nach dem Berliner Motto: „Keene Haare uff'm Kopp, aba 'n Kamm inner Tasche!"

Favre und Hoeneß
Lucien Favre und Dieter Hoeneß. Foto: Imago Images / Team 2

Soccer Memes

und weise Worte

„Für Hertha zu arbeiten, bedeutet vorzeitig zu altern."

Trainer Fiffi Kronsbein, 1968

„Wenn du kleine Bäume pflanzt und willst im nächsten Jahr 100 Kilo Obst runterholen, ist das unmöglich."

Pál Dárdai, 2015/16

„Unsere Spieler können 50-Meter-Pässe spielen: Fünf Meter weit und 45 Meter hoch."

Uwe Klimaschewski, 1981

„Ich habe gesehen: Tor. Da habe ich mich gefreut. Dann habe ich gesehen: Kein Tor. Dann war's scheiße."

Davie Selke, September 2019

Otto Rehhagel vor Gericht zu einem Anwalt der Fortuna: „Waren Sie beim Spiel?"

Otto Rehhagel, Düsseldorf 2013

„Wir singen Hertha, Hertha, Hertha BSC! Ja das ist der Meister, der Meister von der Spree!"

Hertha-Fans. Die Realität spielt keine Rolle.
📊

Intelligence

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🎯

Predictions

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Weitere Club-Dossiers

Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten

Über dieses Projekt

„AKTE HERTHA BSC" ist ein Dossier von Carsten Germann und Thomas Look. Ziemlich ungerecht, bewusst einseitig — aber mit viel Liebe zum Detail und dem nötigen Respekt vor dem Wahnsinn, der Hertha BSC ausmacht.

Teil der Akte Bundesliga-Serie — 18 Club-Dossiers über die Bundesliga-Vereine.

Autoren: Carsten Germann & Thomas Look
Redaktion: Udo Muras, Sophie Hargesheimer
Bilder: Imago Images
Produktion: Marcus Brauer, Denis Tuksar